Donnerstag, 27. November 2014

Ein erstaunliches Projekt
ohne Hilfe von aussen entstanden



Es hat sich so eingebürgert, im Laufe eines langen Weiterbildungskurses etwas besonderes miteinander zu unternehmen.. Für dieses Jahr haben wir das Bergdorf Karuba in der Region Masisi gewählt. Dort möchten wir ein „Nehemia-komitee“ treffen.

Die Medizinorganisation Heal Africa hat in ihrer ganzheitlichen Gesundheitsauffassung seit Jahren in den Dörfern „Nehemia-komitees“ ins Leben gerufen. Man hat Nehemias Namen gewählt, weil er beim Aufbau von Jerusalem und eines geordneten neuen Stadtlebens massgeblich beteiligt war. Diese Komitee vereinigen eine Reihe von Dorfverantwortlichen – Muslime und Christen – Beamte und andere wichtige Leute. Zur Hauptsache haben sie sich zum Ziel gesetzt, Konflikte zu bearbeiten und zu lösen, und sich für die Einhaltung von Menschenrechten stark zu machen. Sie setzen sich ein für die Wiederaufnahme in die Gesellschaft vergewaltigter Frauen und für eine Neuverteilung von Erbgütern an Witwen, die bisher leer ausgingen.

Zum vereinbarten Treffen brauchen wir eine Fahrt von ungefähr anderthalb Stunden. Die Strassen sind allerdings so, dass sie die besten 4x4 Fahrzeuge auf eine harte Probe stellen. Wir fahren steil nach oben in Meereshöhen zwischen 2000 und 2500m. Wir sind froh, dass Pfarrer Bolingo alles aufs Beste organisiert hat. Bolingo trägt die logistische Verantwortung für unseren Kurs (er wurde im Frühjahr 2014 in die Kursleiterausbildung aufgenommen). Er klärt uns auch darüber auf, dass derzeit 131 Dörfer mit Nehemia-komitees arbeiten und sich so aktiv für Friedensstrukturen einsetzen.

Wir werden herzlich empfangen und zur „Friedenshütte“ begleitet. Die Männer setzen sich in zwei Halbkreisen vor uns, hinter ihnen breitet sich die packend schöne Landschaft aus. Wir realisieren, dass Frauen fehlen und sind erstaunt. Man weist uns dann darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt die meisten Frauen auf dem Markt tätig sind. Wenigstens eine stösst dann noch zu uns.

Wir erfahren, dass im Dorf Karuba mehrere Personen angefangen haben, sich für die Umsetzung der Menschenrechte zu interessieren. Damit war der Boden für die Schaffung eines Nehemia-komitee bereitet. Sie berichten uns mit Stolz und Begeisterung aus der Arbeit dieser ersten Jahre! Sie sind sogar um 2010, als die finanzielle Unterstützung von aussen zu Ende ging, zum Entschluss gekommen dieses Gemeinschaftswerk ohne Zuwendung von aussen weiterzuführen!

Sie haben sich selbst eifrig darin geübt, Konflikte zu bearbeiten und zu lösen: bei Schwierigkeiten zwischen Ehepartnern, Familienstreitigkeiten, Stammesfehden, Erbkonflikten und bei der Durchsetzung von Rechten für Frauen. Die zahlreichen, gelungenen Schlichtungen beleben ihren Eifer immer aufs neue und schaffen neuen Motivation. Im weitern berichten sie:
  • wie sie Leute begleiteten, die von der Polizei zu Unrecht beschuldigt wurden, was im Congo leider oft geschieht. Heute gehen sie auch mit Verurteilten ins Gefängnis und überprüfen, ob jemand zu Recht eingekerkert ist oder nicht. Die Erfolge bei diesen Begleitungen sind sehr ermutigend! „Das Recht ist bei uns wiederhergestellt!“.
  • anfänglich empfingen die Kinder der Hutus keine Schulbildung. Auch dies hat sich durch die Aktivität des Komitees deutlich geändert!
  • früher wurden Frauen, die eine Gewalterfahrung gemacht hatten, aus der Gesellschaft verstossen. „Nach der Ausbildung im Komitee wurde mir klar, dass solche Frauen Opfer schlimmer Vorkommnisse sind und ab sofort das Recht haben, in einer Familie aufgenommen zu werden“.
  • wenn wir in einem Konflikt beigezogen werden, machen wir den Leuten zuerst klar, dass wir keine Richter, sondern Schlichter oder Versöhner sind. Wir reden erst aufmerksam mit beiden Parteien. Dann schauen wir uns das Umfeld an und hören gut, was man uns alles erzählt, um die Gründe für den Konflikt zu verstehen. Wir versuchen auf die Herzen zu achten. Dann bringen wir sie schliesslich zusammen und arbeiten mit ihnen beiden an einer Lösung, die möglichst für beide günstig ist.
  • heute arbeiten wir weiter an dieser Kultur und erhalten zunehmend Anfragen von umliegenden Dörfern, die eine ähnliche Arbeit bei sich einbürgern wollen.

Ein letzter Zwischenfall dokumentiert uns die Bedeutung des eben Gehörten! Bei unserer Heimkehr werden wir am Dorfausgang von der Polizei angehalten. Die Polizisten benehmen sich aggressiv. Es ist eindeutig, sie wollen ein paar Dollar! Wenig später haben uns die Leute vom Komitee eingeholt. Die Stimmung ändert schlagartig! Nichts mehr von Forderungen nach Geld, im Gegenteil, es kommt eine beinahe fröhliche Stimmung auf! Von Bedrohung keine Spur mehr!


Wenn Sie an dieser Lektüre Freude gefunden habe, mögen Sie vielleicht noch einen weiteren Bericht von Jean-Claude Schwab kosten!

R e a l i t ä t s p r ü f u n g.

Es ist Sonntag, 16.November. Zurück in meinem Zimmer geniesse ich um 14.30 eine Mittagsruhe. Mein Blick fällt auf den wunderschönen See und ich habe Zeit auf das Erlebte zurückzuschauen. Am Vormittag hatte ich erst den Gottesdienst bei Heal Afrika besucht und danach noch denjenigen der Kirche von Sophonie Kasiki, unserer Kursteilnehmerin. Was ich in diesem Gottesdienst sagen wollte, hatte ich am Samstagabend spät noch vorbereitet.

Stimmungsbild über dem See von meinem Balkon aus
Wie ich auf die Kirche von Sophonie zuging, kamen mir Zweifel über das, was ich vorbereitet hatte. Ich wollte von der Ohnmacht reden, die in uns aufkommt, wenn wir vor unüberwindlichen Bergen von Leid stehen. Äusserlich wurde der Weg immer steiler und enger, die Häuser ihrerseits immer kleiner.

Dann die Kirche! Eine Baracke aus Holz und Blech. Sie ist vor einem Jahr einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen. Mit den Resten wurde die Baracke errichtet. Die Bänke sind niedrig und unkonfortabel. Was sollte ich hier mit meiner komplizierten Botschaft?

Aber, es wird alles anders. Schon bei der Begrüssung entdecke ich eine Gemeinschaft von Menschen voller Aufmerksamkeit und Kraft! Es folgt ein Austausch über einen biblischen Text, den alle für diesen Sonntag gelesen haben (das ist die Regel hier). Ich staune wie Frauen und Männer – eins ums andere zum Mikrofon gehen und sich ausdrücken. Persönliches, theologisches, existenzielles, offene Fragen – und der Pfarrer gibt alle Fragen zurück an die Anwesenden! Noch nie habe ich ein dermassen reifen Austausch über einem Bibeltext erlebt wie hier! Ich bin sehr berührt!

Alle meine Vorbereitungen und Vorurteile schmelzen dahin wie Eis an der Sonne. Dann ist das Wort an mir und ich versuchs. So viele aufmerksame und gespannte Gesichter! Danach sagen mir ein paar junge Leute, sie hätten sehr gut verstanden, was ich sagen wollte! Auch die beiden anwesenden Kursteilnehmer geben ihre Zusammenfassung wider und ich staune nochmals über die Genauigkeit, wie sie in ganz wenigen Worten „meine“ jetzt auch „ihre Botschaft“ mit sich nehmen.

Auf dem Heimweg mache ich noch einen Besuch im Hause von Sophonie Kasiki! Die Familie mit fünf Söhnen ist für ein Jahr von Butembo (250 km nördlich von Goma) nach Goma gezogen. Der Familienvater hat die Möglichkeit für ein Jahr bei Heal Africa zu arbeiten, um sich weiterzubilden für seine Tätigkeiten in verschiedenen NGO. Für die ganze Familie ein grosser „Mutschritt“. Ich staune nochmals von Herzen und freue mich.

Jean-Claude Schwab

Mittwoch, 5. November 2014

2014 in Goma


Wieder ein Sprung nach vorne mit dem cpt-Kurs 2014 in Goma

Am 22.Oktober nach einer wunderbaren farbenprächtigen Reise erreiche ich afrikanischen Boden...

...vom Sonnenaufgang, den halben Tag am Lauf des Nil... ...und in der Dämmerung... ...hat er über mir (und vielen andern) gewacht!

Am andern Tag bin ich für Stunden im Bus, durchquere das „Land der tausend Hügel“(Ruanda) und komme zur vorgesehenen Zeit in Goma an. Goma befindet sich an der Grenze zu Ruanda am Kivusee. Der Boden ist geformt von Lavaströmen, die vom nahegelegenen Vulkan Nyiragongo stammen. Eine Fülle von schrecklichen Ereignissen und grosse Aengsten haben sich an diesem Ort abgespielt und sind bis heute präsent. Den Menschen hier ein Zeichen der Solidarität und Aufmerksamkeit zu geben, ist die Kraft, die mich trägt.

Aufbauen auf alten Freundschaften...

Inmitten aller Unsicherheiten hat es gut getan, meinen langjährigen Freund, den Arzt Dr. Jo Lusi zu treffen. Er empfängt uns am wunderbaren Strand des Kivusees. Er hat auch ein Fahrzeug für unsere Arbeit bereit! Und nicht nur dies, er ist eine ausgezeichnete Unterstützung für den Ausbau der cpt-Arbeit im Congo! Pfarrer Bolingo – seit diesem Frühjahr in Ausbildung zum Kursleiter - trägt die logistische Verantwortung. Zu uns gesellen sich dann sehr bald meine beiden Co-leiter Samuel Aluta und Grégoire Ntobo, ich bin glücklich über ihre Anwesenheit.

Afrikanische Rhythmen

Ich muss mich erst wieder an das afrikanische Leben gewöhnen! Die Zeit wird hier wie ein reichliches Bad erlebt, Abmachungen sind wie immer unsicher. Es gilt die grossen, materiellen Einschränkungen der Menschen hier zu teilen. Das Ladegerät meines pc's hat sich schon zweimal überhitzt. Und dieses zu ersetzen, erfordert grossen Aufwand!

Land der Traumatisierten

Die Botschaft, die wir schon mehrfach gehört haben, lautet deutlich: „Hier ist jeder Mann und jede Frau traumatisiert“! Das stimmt, wenn auch auf verschiedenste Weise. Die Schüsse, die wir in der letzten Nacht um 02.30 h gehört haben, haben alle aufgeweckt. Für mich als Fremden eine sehr unangenehme Art geweckt zu werden, für die kriegsgeschädigten Menschen hier ein Anlass für unwillkürliche Reflexe und qualvolle Erinnerungen.

31. Oktober: Ankunft in Buhimba

Das Kurszentrum, in dem wir die nächsten fünfeinhalb Wochen verbringen werden, liegt in einer wunderbaren Landschaft. Es ist 15 km von Goma entfernt, wegen der schlechten Strasse braucht es aber eine Stunde für die Fahrt! Wir treffen sieben Kursteilnehmer und hoffen auf weitere fünf! Zudem die Anwesenden sind nicht diejenigen, die sich vor meiner Ankunft eingeschrieben haben..! Die Gründe für das Fernbleiben sind fehlendes Geld (Reise und 100.-$ Kursgeld), aber auch andere Gründe scheinen da hineingespielt zu haben.


3.November: erster Kurstag

Wir beenden den ersten Kurstag – und zu unserer grossen Freude kommt um 23 h der elfte Teilnehmer! Er kommt aus Béni, einem Ort, an dem letzte Woche 80 Menschen massakriert wurden. In der Folge kam es zu Protestaktionen der aufgebrachten Bürger gegen die untätigen Ordnungkräfte.

Unser Teilnehmer hat für die 300 km zwei Tage gebraucht. Er ist verheiratet mit Josephine, die letztes Jahr am Kurs teilgenommen hat! Er selber hat bei den Massakern in Nyankunde vor 14 Jahren vielen Menschen das Leben gerettet.

Heute morgen schliesslich trifft mit dem Schiff der zwölfte Teilnehmer ein! Er stammt von der Insel Idjwi im Kivusee. Die beiden letzten Teilnehmenden haben im Kurs ihren Platz eingenommen als wären sie schon immer mit uns gewesen! Bolingo bemerkt dazu: Diese Ausbildung ist eben nicht irgendeine Ausbildung, sondern Gott schickt Menschen seiner Wahl, da kommt nicht irgend jemand! Die übrigen Teilnehmenden drücken sich ähnlich aus. Es ist ihre Weise, das Chaos um die Kursanmeldungen zu interpretieren. Ich schliesse mich gerne an, auch wenn das Durcheinander mich eine Zeit lang fast krank gemacht hat.

Von Seiten der Teilnehmenden sind viele Erwartungen zu spüren – unmöglich auf sie alle einzugehen. Bei der Arbeit an den persönlichen Kurszielen wurde sehr deutlich, wie sehr sie von uns Leitenden alles erwarten. Wir konnten ihnen nur entgegenhalten, dass nur sie ihre Ziele formulieren können, die sie erreichen wollen. Sie sind ihr eigenes Instrument, sie haben alles bei sich. Schliesslich haben sie unsere Herausforderung verstanden und haben dieses „Neue“ in sich gerne aufgenommen.

Die ersten Arbeiten mit ihren schriftlichen Aufzeichnungen über ihre Seelsorgearbeit werden mit leidenschaftlichem Einsatz geleistet. Sie bekommen Freude am Vorgehen und bringen zusehends ihre Beiträge.


Beim Teilen der Lebensgeschichte sind wir überwältigt von der Tiefe und Echtheit des Erzählten. Und sie berichten Dinge aus ihrem Erlebten, die ich mir bisher nicht vorstellen konnte! Ich freue mich auf die Fortsetzung. Wir fühlen uns getragen vom gemeinsamen Suchprozess und der Hingabe des Einzelnen. Getragen fühlen wir uns auch durch alle, die im Gebet uns verbunden sind und uns stärken.

Erster Stolz und Befremden beim Anziehen der weissen Spitalmäntel (afrikanische Pfarrer ziehen für ihre Spitalbesuche weisse Mäntel an)



Besuch im (zweiten) Spital Ndosho und seiner Departemente



Um 300 Kriegsversehrte aufzunehmen, musste das Spital mit 200 Betten wetterfeste Zelte aufbauen

Sonntag, 23. März 2014

Ein Rückblick in Freude und Dankbarkeit

en français...

Benoit und Luc herzliche Uebergabe der Kursbestätigung



Mama Adele war besorgt um unser leibliches Wohl

Strahlende Gesichter bei Klaus und Sebastian

Gestern den 21.März konnten wir den Abschluss unseres langen Kurses feiern. Ein schöner Grund zur Freude und zu einem Rückblick mit Staunen und Dank. Eine Kursgruppe von 12 Teilnehmer hat intensiv und mit Begeisterung gearbeitet, ja wirklich alle zwölf sind aus Gewohntem aufgebrochen und haben Entscheide und Visionen für eine neu gestaltete Zukunft entwickelt. Das Leitbild für den Seelsorger – ein Blinder, der sich an einem fremden Ort führen lässt – hat sich in den inneren Bilder bei vielen sehr stark festgemacht. Ebenso fest war der Wille, sich auf die Welt eines andern Menschen einzulassen! Entscheide sind gefallen im Blick auf die Neugestaltung der Arbeits- und Freizeit. Besonders auch im Hinblick auf das weitere Inanspruchnehmen einer beruflichen Begleitung.

Hohe Anforderungen hat der Kurs an unsere Leitung gestellt, waren doch mehrere Kursteilnehmer verspätet und brauchten damit noch eine verspätete Einführung, der eine meiner Co-leiter verlor in den ersten Tagen des Kurses seinen besten Freund und fiel damit für mehrere Tage aus: Beerdigun-gen hier nehmen viel Zeit in Anspruch. Später starb unerwartet die Mutter von Grégoire – er leitet das hiesige Gästehaus, war zudem mein Co-leiter im Herbst – so nahm unser ganzer Kurs an diesem Abschied teil! Damit nicht genug hatten wir bis in die vierte Woche tägliche Strompannen. Wenn der Strom hier ausfällt, ist auch das Wasser betroffen. Zusätzlich noch beeinträchtigten nächtlicher Lärm und die Februarhitze den Schlaf! Ich habe noch nie in einem Kurs so viele Umstellungen vorgenommen. Zuerst war das jeweils ärgerlich, dann aber war ich glücklich diese vielen Klippen umfahren zu können. In gar keiner Weise haben sie die Arbeit des Kurses in Frage gestellt. Darüber freue ich mich sehr und bin dankbar, dass ich den Weg gefunden habe. Es hat sich bewährt, dass wir eine „Klageecke“ errichteten, die die Möglichkeit bot, die erlittenen Probleme zu benennen und danach zu beheben.

Für unsere Teilnehmenden ist der Kurs zu einem Anstoss zur Neugestaltung ihrer Beziehungen geworden. „Wir waren hier im Kurs wie eine Familie, das will ich auch zu Haus so gestalten“ war ein Satz, der immer wieder auftauchte. Ich traue ihnen zu, dass sie in diesem Thema an die Arbeit gehen werden, um sich für „familiäre“ statt autoritäre Beziehungsformen einzusetzen. Ich freue mich sehr darüber, denn auch im Congo ist für viele Menschen die Last des völlig unbefriedigenden Lebens unerträglich gross geworden und so viele suchen einen Ausweg im Ausland, statt sich hier für bessere Verhältnisse einzusetzen.

Die Erschütterungen, die unsere Kursteilnehmenden im Spital erlebten, waren leider auch diesmal gross: Wie oft wurden Kinder tot geboren, weil die Mütter zu spät zur Geburt kamen – sie waren meistens erst in einem andern Spital gewesen, weil aber die Finanzen fehlten, wurde keine Gelegenheit zur Geburt gegeben...auch viele junge Mütter kamen so ums Leben. Ein ander Mal war einer der Unsrigen Zeuge, wie ein junger Mann in grosser Verzweiflung laut schreiend und weinend durch den Gang lief, er hatte eine Rechung erhalten, die er niemals und in keiner Weise bezahlen konnte...

Von grosser Bedeutung wurde eine kreative Arbeit zum Thema „meine Enttäuschung(en)“. In diesen Paargesprächen tauchten viele schwere Geschichten auf. Es war sehr wichtig, dass sie erzählt werden konnten um nicht mehr inwendig zu belasten!

Im Zusammenhang des Liedes „Es kommt ein Schiff geladen“ kam ich auf den Gedanken mit unserem Kurs die Schiffswerft – gleich neben unserem Gästehaus – zu besuchen. Die technischen Anlagen sind von beeindruckender Grösse, die Zahl der im Bau befindlichen Flussschiffe gross. Doch hängt auch da alles an einem Faden: der Wasserstand ist seit vielen Monaten zu niedrig als dass Schiffe fahren könnten...

An der Schlussfeier kam vielfach eine grosse Dankbarkeit für die finanzielle Unterstützung aus der Schweiz zum Ausdruck, die ich hier unbedingt auch widergeben möchte. Es macht mich glücklich, allen unseren treuen Spenderinnen und Spendern herzlich danken zu können und gleichzeitig zu versichern: es ist ans rechte Ort gekommen, was ihr gegeben habt!

Gruppenbild:CPT Gruppe mit Familienangehörigen

Kinshasa am 22.März 2014, kv

Donnerstag, 13. März 2014

Willkommener Beitrag an der Theologischen Fakultät!

en français...

Der Professor für praktische Theologie an der UPC (Université Protestante du Congo) Muenyi hatte uns letzte Woche in unserem Kurs eine spannende Vorlesung zum Thema „Vom Sinn der Krankheit“ gehalten, diese Woche nun waren wir dran, um in Rahmen seiner Vorlesung mit 150 Studenten – alle stehen kurz vor Studienschluss - ein Bild von unserer Weiterbildungsarbeit zu geben. Unsere Teilnehmer waren bereit zwei Rollenspiele zu gestalten, um auf den Unterschied zwischen einer (traditionell verkündenden) Seelsorge und einer den Kranken angepassten Begleitung hinzuweisen.

Da die hiesige Kultur jede Art von Vorführung und Gestaltung liebt, lag es für mich auf der Hand, diesen Vorschlag zu machen. Und das Resultat war markant und stark. Was für unser Empfinden bereits eine Karikatur wäre, war für hiesige Gepflogenheit durchaus real, ein Pfarrer, der sich in seinem Büro nicht von seinen Rechnereien abbringen lässt, einer Frau in Not zuzuhören. Er hört nur „Ich brauche dringend Geld“. Im andern Spiel hat sich unsere einzige Teilnehmerin darauf eingelassen, ausgiebig zu hören und dabei eine grosse belastende Not einer Mutter, die ihr Kind – durch ihr eigenes Verschulden - verloren hat, ernst zu nehmen.

Wir freuen uns wie die anwesenden Studenten mit grossem Eifer ihre Wahrnehmungen zum Spiel benennen und die Unterschiede beim Namen nennen können. Unsere Freude ist sehr gross. Besonders auch da sich im Nachhinein eine grosse Zahl von Studenten bei uns melden, um uns zu versichern, dass sie sich nächstes Jahr für einen Kurs anmelden wollen! - Natürlich freut mich auch sehr, dass wir kurz den Rektor und den Professor für Neues Testament sehen können, beide versichern uns ihr Interesse und ihr Bereitschaft für jede weitere Zusammenarbeit! Im Rückblick auf die zaghaften Anfänge und nur vagen Versprechungen der letzten Jahre ist das ein weiterer Schritt vorwärts.
Kinshasa, den 24.Februar 2014/kv
Unsere Kursteilnehmer und die Studenten :

Donnerstag, 27. Februar 2014

Ein ganzer Start ist geglückt

en français...

Jetzt ist unser Kurs ganz aufgegleist! Ich schreibe das mit Ausrufezeichen, weil ich noch niemals einen Kursbeginn mit so vielen Schwierigkeiten erlebt habe. Doch ich will mit dem Geglückten anfangen! Unsere Kursgruppe ist nun komplett mit elf Teilnehmenden und zwei Co-leitern!
Auf der Foto sind von rechts nach links oben zu erkennen:
Marie Perpétue, Bonaventure Salumu, Adriko Irumu, Dido Makila, Benoit Ngoy, Daudet Kasange, Eugène Mavinga, Belly Kuabi, Bolingo Kambere, (Reihe unten) Klaus Völlmin, Sébastien Lusungji, Georges Kasaka, Ezechias Kumumbeya Mira
Es war ein mühevoller Weg, bis wir endlich vollzählig waren! Am schwersten ins Gewicht fiel die Tatsache, dass der beste Freund meines Co-leiters Dido – ein junger Pfarrer – ganz unerwartet am Tag vor Kursbeginn gestorben ist. Aus verschiedenen Gründen war dieser Abschied für Dido mit grossen Aufwendungen verbunden, so dass er erst eine Woche später ganz in den Kurs einsteigen konnte. Das bedeutete für uns viel Improvisation und Umstellung, im Moment mit Aufwand verbunden, in der Rückschau eine gute Herausforderung, uns auf die Teilnehmer abgestimmte Programmänderungen einzulassen. Unser Teilnehmer aus Goma Bolingo und Adriko, ein weiterer Teilnehmer aus Kisangani kamen ebenfalls verspätet. Eindrücklich ist die Tatsache für mich, dass wir an diesen Dingen nicht nur gelernt haben, sondern gleichzeitig viel Achtsamkeit füreinander entfalten konnten . Eine Gruppe von gut motivierten Leuten steht vor uns, niemand will sich eine Gelegenheit verpassen, etwas Neues zu sehen, zu verstehen und für sich zu lernen! Das ist eine Freude und eine Herausforderung.

Fünf unserer Teilnehmenden sind bereits zum zweiten Mal in einem langen Kurs, sechs kommen zum ersten Mal.

Meine beiden Co-leiter sind stark engagiert, legen sich ins Zeug, dass es eine Freude ist. Sie haben die wichtigen Dinge nicht nur gelernt, sondern auch verinnerlicht und können überzeugt und überzeugend davon reden. Das erleichtert mir vieles und macht mich froh.
Kinshasa, den 24.Februar 2014/kv

Sonntag, 16. Februar 2014

Der siebente CPT-Kurs im Congo

en français...

Jetzt ist unser Kurs ganz aufgegleist! Ich schreibe das mit Ausrufezeichen, weil ich noch niemals einen Kursbeginn mit so vielen Schwierigkeiten erlebt habe. Doch ich will mit dem Geglückten anfangen! Unsere Kursgruppe ist nun komplett mit elf Teilnehmenden und zwei Co-leitern!
Auf der Foto sind von rechts nach links oben zu erkennen:
Marie Perpétue, Bonaventure Salumu, Adriko Irumu, Dido Makila, Benoit Ngoy, Daudet Kasange, Eugène Mavinga, Belly Kuabi, Bolingo Kambere, (Reihe unten) Klaus Völlmin, Sébastien Lusungji, Georges Kasaka, Ezechias Kumumbeya Mira
Es war ein mühevoller Weg, bis wir endlich vollzählig waren! Am schwersten ins Gewicht fiel die Tatsache, dass der beste Freund meines Co-leiters Dido – ein junger Pfarrer – ganz unerwartet am Tag vor Kursbeginn gestorben ist. Aus verschiedenen Gründen war dieser Abschied für Dido mit grossen Aufwendungen verbunden, so dass er erst eine Woche später ganz in den Kurs einsteigen konnte. Das bedeutete für uns viel Improvisation und Umstellung, im Moment mit Aufwand verbunden, in der Rückschau eine gute Herausforderung, uns auf die Teilnehmer abgestimmte Programmänderungen einzulassen. Unser Teilnehmer aus Goma Bolingo und Adriko, ein weiterer Teilnehmer aus Kisangani kamen ebenfalls verspätet. Eindrücklich ist die Tatsache für mich, dass wir an diesen Dingen nicht nur gelernt haben, sondern gleichzeitig viel Achtsamkeit füreinander entfalten konnten . Eine Gruppe von gut motivierten Leuten steht vor uns, niemand will sich eine Gelegenheit verpassen, etwas Neues zu sehen, zu verstehen und für sich zu lernen! Das ist eine Freude und eine Herausforderung.

Fünf unserer Teilnehmenden sind bereits zum zweiten Mal in einem langen Kurs, sechs kommen zum ersten Mal.

Meine beiden Co-leiter sind stark engagiert, legen sich ins Zeug, dass es eine Freude ist. Sie haben die wichtigen Dinge nicht nur gelernt, sondern auch verinnerlicht und können überzeugt und überzeugend davon reden. Das erleichtert mir vieles und macht mich froh.
Kinshasa, den 24.Februar 2014/kv
Der siebente CPT-Kurs im Congo

en français...

Gestern 14. Februar konnten wir mit unserem siebten Kurs im Congo starten! Von den erwarteten 12 Teilnehmern sind (bereits) acht nach guter Reise hier! Die Freude über die gute Ankunft überwiegt und ist wichtiger als die (angekündigten) Verspätungen der andern vier. Aus der Gegend von Kisangani sind es gleich vier, und aus Goma ist es ein Teilnehmer! Die übrigen sind aus Kinshasa und der weiteren Umgebung der Hauptstadt. Eine Frau und elf Männer. Der eine meiner Co-leiter Benoit Ngoy ist umsichtig und präsent, leider fehlt Dido Makila noch. Am Tag vor Kursbeginn hat eine junge Frau aus seiner Gemeinde völlig unerwartet ihren Mann verloren. Dido fühlt, dass sie sehr auf seine Hilfe angewiesen ist, besonders da der Leichnam des Verstorbenen obduziert werden soll, da der junge Mann aus unerklärlichen Gründen gestorben ist. Die Obduktion sollte $1000.- kosten und kann nur in einem ganz anderen Stadtteil durchgeführt werden. Dido gelingt es, diese auf $ 700.- hinunterzudrücken. Dido und ich spüren beide, dass es nun wichtiger ist, dass er die junge Frau, die sehr verloren ist, begleitet! Also beginnen Benoit und ich und warten eben auf Dido, der nun morgen Sonntag zu kommen sollte. Eine Geschichte wie wir sie in der Schweiz wohl kaum kennen, doch hier geschehen diese Geschichten leider jeden Tag.

Wir haben also die Freude zusammen zu sein mit – von links nach rechts - Perpétue Marie Mukulu, Kumumbeya Ezechias genannt Mira, Benoit Ngoy, Bonaventure Salomu, Georges Kasaka, Eugène Mavinga und Ruben Mumpasi
am späten Freitagabend kommen noch Belly Kuabi und Kabange Daudet hinzu (noch nicht auf dem Bild). Ich freue mich, viel Engagement und Erwartung zu spüren! Nicht nur ihre Namen (Vor-, Familien- und Rufname) sind farbenbunt, sondern auch die Bilder, die sie von sich mitbringen. Ein vielversprechende Arbeit tut sich vor uns auf. Da sind hoch angegagierte Berufsleute vor uns, die wissen, dass sie aus Gewohntem aufbrechen und Neues pflügen wollen. Das ist schön und weckt viel Vorfreude.

Bewegt höre ich von Einigen, wie sie im allerletzten Moment das für die Reise benötigte Geld erhalten haben, um nach Kinshasa zu kommen. Bewegt bin ich auch über einem Text, der mir vorgestern aus Psalm 115 zufällt. Am Anfang ist da dreimal die Rede von Menschen, die in Gott ihr Vertrauen setzen, dann folgt eine sechsmalige (!)Zusage von Gesegnetwerden. Ich vertraue darauf, dass dies auch für unser Kursunternehmen gilt.

Am Freitagnachmittag, den 14.2. hätte im Spital Ngaliema unser offizieller Empfang und ein Einführung stattfinden sollen. Kurz davor erhalten wir die Mitteilung, dass die Feier abgesagt werden muss wegen Ueberbelegung der Kursräume (das ist ärgerlich!), also müssen wir die Sache auf Dienstag verschieben...

Denn wie das Sprichwort sagt „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“. Einmal mehr gilt es Geduld zu üben.

Donnerstag, 2. Januar 2014

Aus dem Leben eines Studenten im Congo
von Albert Kasongo

en français...

Ich, Albert Kasongo, bin Theologiestudent im achten Semester an der Université Protestante du Congo in Kinshasa. Ich erinnere mich an meine Schlussarbeit vor einem Jahr: ich hatte unter dem Titel geschrieben: „Das Studium – ein Privileg der Reichen“. Da steht der Satz „ich weiss um die Situation meines Landes, 80 von hundert Menschen meines Landes sind am Hungern und leiden an an ihrer Lebensituation. Als Folge davon geben auch viele ihr Studium auf, werden deliquent und landen in einer gewalttätigen Bande wie die der sog. „kuluna“.

In meiner ganzen Studienzeit war ich nie wirklich wohl und entspannt. Ich musste alles dringend benötigte Kleingeld für meine Familie in die Studienfinanzierung stecken.Wenn ich irgendwie wieder zu etwas Geld gekommen war, musste ich dieses fürs Studium einsetzen. Viele meiner Kameraden mussten aus diesen Gründen das Studieren aufgeben. Leider sind die Professoren selber die Ursache dieser elenden Not. Für jeden Text, jede Kopie, jede Handreichung oder kleine Dienstleistung verlangen sie Gebühren. Als Folge sind viele Studenten stundenlang zu Fuss unterwegs. So habe auch ich gelebt. Aus all diesen Anstrengungen ist mir eine chronische Hämorrhoide geblieben. Nun habe ich insgesamt fünf Jahre an der Uni verbracht, bin müde und nehme ein Stück Krankheit mit mir.

Im Gespräch mit Kommilitonen – auch anderer Universitäten – habe ich mit der Zeit begriffen, dass es nur ein Mittel zum Überleben gibt: Korruption! Und am Ende gibt sich niemand mehr Rechenschaft darüber wie er eigentlich mit dem Geld umgeht. Ich leide unter dieser Feststellung! Hat unsere Regierung eigentlich eine Ahnung, was in ihrem Land geschieht? Ich kann nur eines sagen, wer in einem Land wie meinem – im Congo – studiert, ist der blanken Not ausgesetzt. Wer sieht und hört, was hier täglich geschieht? Ich sehe, wie die Jungen unseres Landes gefährdet sind! Und kann selber nichts daran ändern? Oder doch indem ich schreibe und darauf aufmerksam mache?!

Jetzt schliesse ich mein Studium ab, ich möchte gerne doktorieren – doch woher die Mittel für dieses weitere Stück Weg? Ich habe den Willen, die Sorge, ich möchte weitermachen – doch die Mittel fehlen. Oder wird es mir gelingen, zu doktorieren und zu einem Rufer für die congolesische Jugend zu werden? Ich fühle nur diesen einen Impuls, ich möchte schreien.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Unheimlicher Jahreswechsel

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Heute am Montag, den 30.Dezember haben wir die Gelegenheit, nachdem wir während zwei Monaten privat bei unseren Freunden Alfred und Lily Mbuta wohnen konnten, ins Guesthouse der Baptistenkirche - es liegt zentral in Flussnähe - zu zügeln. Beim Wegfahren erhalten wir noch die Mitteilung, der TV-Sender der Stadt sei von Unbekannten angegriffen worden. Da dieser Stadtteil ein Stück weit weg ist, fahren wir dennoch los. Doch bereits auf dem Weg wird bei einem Stau viel Aufregung auf den Gesichtern und an den Bewegungen der Menschen sichtbar. Unser Chauffeur erkundigt sich bei der Stadtpräfektur. Die Nachrichten sind beruhigend. Also fahren wir weiter. Auf dem grossen Platz Kintambo-Magasin ist die Aufregung dann erheblich. Wir passieren die Hauptstrasse (Ost-West-Richtung, dem Congofluss entlang), eine Viertelstunde später werden dort Flüchtende verfolgt. Es ist uns gut gegangen, denn noch knapp zwei Stunden danach sind immer wieder Schüsse zu hören!

Durch die Nachrichten erfahren wir, dass eine Gruppe „fanatischer Leute“ - der Sprecher nennt sie Terroristen - an drei Orten der Stadt nebst dem TV-Sender auch auf den Flughafen und das Oberkommando der Armee gewalttätige Übergriffe gemacht hätten. Die rasche und unzimperliche Reaktion der Polizei und der Armee machen mit den jungen Leuten kurzen Prozess, die meisten werden gleich erschossen, an jedem der drei Orte sind es je um die zehn Personen... Anführer dieser sinnlosen Taten sei, nach den Gerüchten, der selbsternannte Prophet Mukungu Bile, der in der Öffentlichkeit immer wieder durch seine Kritik am Staatspräsident aufgefallen ist. Er selber hat sich an einen unbekannten Ort abgesetzt, nachdem andere – es sind meist Frauen! - für seine Ideen mit dem Leben bezahlt haben! Eine unfassbare Tat, weil apriori klar sein musste, dass keine Chance bestand am status quo etwas zu ändern. Sie ist nur verständlich auf dem Hintergrund der „messianischen“ Erwartungen, die so viele Menschen an die selbst ernannten Propheten haben. Die Armut ist so immens, dass sich die „Wundertäter“ rasant vermehren. Und das gross-spurige Auftreten der Prediger gewisser "Eglises de réveil" hält an. In vielen Quartieren ist alle 50m eine solche Kirche zu finden.

Doch zurück zu den Ereignissen. Die Aufregung für die Menschen hier in der Stadt ist gross. Wir sind ebenfalls aufgewühlt und in Spannung, bis wir dann Genaueres erfahren. Aus allernächster Nähe sind immer wieder Schüsse, die auf Menschen gerichtet sind, zu hören, ist unheimlich. Wir sind sehr froh, dass nicht noch mehr Schlimmes passiert ist und sehr dankbar, bewahrt worden zu sein.

Seit dieser Aufregung sind wir daran, uns im neuen Appartement einzurichten. Da ist noch einiger alter Dreck und jetzt noch solcher vom Umbauen. Beatrice hat Mühe damit. Es gilt also noch eine kleine Durststrecke zu überwinden. Wir sind müde. Doch schon bald beginnt alles seinen Platz zu finden und wir fühlen uns sehr wohl. Wir haben jetzt ein grösseres Stück Unabhängigkeit, können morgens und abends selber kochen, haben einen einigermassen grünen Umschwung. Das ist gut und wir sind froh, diesen Schritt gemacht zu haben.

Privat zu wohnen hat uns den hiesigen Menschen sehr nahe gebracht, eine wichtige und für uns wertvolle Erfahrung, so viel Armut, so viel Abfall auf den Strassen, so viel Hoffnungslosigkeit, enttäuschte Kinder, die wegen Geldmangel nicht zur Schule können, so viel Risikobereitschaft auf der Strasse (hier kann der Chauffeur endlich einmal den Meister zeigen!), die gejagten Fussgänger, die Geschichten mit Verdächtigungen: XY ist eine Hexe oder verhext u.a.m. hautnah kennen zu lernen. Das Fühlen der Armut, hat uns in diesen acht Wochen bewegt und insbesondere auch die Tatsache, dass wir all dem nicht ausweichen konnten und wollten.

Jetzt ist deutlich, dass wir eine Erleichterung brauchen. Grégoire, der Leiter des Guesthouses ist rührend besorgt um uns, damit alles in unserer kleinen Wohnung klappt. Das ist wunderbar. Unsere Dusche spendet öfter wenig Wasser, die Notstromgruppe ist auch da, damit wir nicht einen Abend lang im Dunkeln bei Kerzenlicht dahindämmern.

Heute ist der erste Januar: hier wurde die ganze Nacht mit fröhlichem Gesang, wilden Ansprachen und enorm verstärktem Schlagzeug- und Trommellauten gefeiert. Nachdem wir genug hatten, sind wir um 11 h ins Bett geschlichen.
kv

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Zum Kursende

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Am Samstag, den 14.Dezember haben wir unseren sechswöchigen Kurs mit acht Teilnehmenden abgeschlossen. Eine fröhliche Feier beschloss die lange Arbeit. Nebst den KursteilnehmerInnen, ihren Angehörigen und uns Leitern, war ein Vertreter der Eglise du Christ du Congo, eine Vertretung des Spitals und des Gesundheitsdepartementes beisammen.

Vier Kursteilnehmer mit Grégoire Ntobo (zweiter von links)

Wir konnten das Erreichte ohne Vorbehalte würdigen, sind doch acht Kolleginnen und Kollegen aufgebrochen, um neue Spuren zu finden und einzuschlagen. Der Weg in Begegnungen, der von Interesse, Offenheit und Teilnahme gekennzeichnet ist. Das Abschiednehmen von den Kranken im Spital fiel ihnen nicht leicht, waren sie doch auf sehr viel Dankbarkeit und Anerkennung gestossen. Unseren KollegInnen war auch nicht entgangen, wie die Patienten die Gegenwart des angestellten Spitalpfarrers vermissten und sie leider seiner kaum ansichtig wurden.

Die Gattinnen der Kursteilnehmer

Einer unserer Kollegen aus Camerun musste uns auf dringenden Wunsch seiner Kirchgemeinde bereits am Donnerstag verlassen. Am Flughafen angekommen mussten er und die andern Reisewilligen um 24 h zur Kenntnis nehmen, dass der Flug annuliert werde...Also musste die ganze Reiseprozedur wiederholt werden. Ich schreibe Prozedur, weil alle Transporte hier ja sehr aufwändig und mühsam funktionieren...am frühen Morgen kam er ins Guesthouse zurück.

Mit Jean-Pierre Ipuma, dem Vertreter der Eglise du Christ du Congo
Meine Coleiter Grégoire Ntobo und Bylord Ilanga und ich haben sehr viel Anerkennung erhalten. Das hat uns glücklich und froh gemacht. Auch für uns ist die Abreise dieser acht – uns mittlerweile zu Freunden gewordenen – KollegInnen ein Aufbruch in etwas Neues, Hoffnungs-volles. Sind sie doch bereit, nicht nur von den guten Kurserfahrungen zu berichten, sondern auch ihre Kirchenverantwortlichen auf die grossen aktuellen Chancen und Möglichkeiten der Spitalseelsorge aufmerksam zu machen. Dazu zählen wir nebst der direkten Arbeit mit Patienten, die regelmässige Kontaktnahme mit den Pflegenden, Aerzten und weiteren Verantwortlichen.
Grégoire Ntobo, Georges Tchuingoua aus dem Camerun, Klaus Völlmin
Daneben sind die Möglichkeiten sehr gross für den Aufbau von Hilfsgruppen zur persönlichen Begleitung, zur Versorgung mit Lebensmitteln, Helfern, die das Abendmahl austeilen, Chören und anderem mehr. Da unsere Teilnehmenden alle aus verschiedenen Denominationen, Regionen und Ländern stammen, werden also viele auf diese neue Vision kirchlicher Arbeit im Spital aufmerksam werden. Darüber freue ich mich sehr.

Für mich persönlich und meine Frau beginnt nun eine ruhigere Zeit bis anfangs Februar. Ich werde sie einsetzen, einzelne Kollegen zu begleiten, in Gottesdiensten mitzuwirken, Vorträge und Vorlesungen zu halten. Wir planen auch, Fernsehsendungen zu gestalten. Fernsehen ist hier sehr wichtig, weil es kaum geschriebene Medien gibt wie wir sie in Europa kennen.

Sonntag, 1. Dezember 2013

Dritte Kurswoche
25. bis 30. November

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Es ist berührend schön zu erleben, wie eine ganze Kursgruppe junger Kollegen aufbricht und versucht, Neues zu verwirklichen, Vertrauenschritte zu wagen, aus eigenem Gefangensein aufzubrechen. Dies ist in unserer dritten Woche nochmals in reichem Mass geschehen und freut mich herzlich. Wiederum ist das Bibliodrama – diesmal zur Geschichte der Heilung einer Frau mit gekrümmtem Rücken und der Auseinandersetzung mit dem erbosten Synagogenvorsteher – ein zentraler Anlass. Aufbrechen aus bisherigen Aengsten und in eine bisher nicht bekannte Handlung zu gehen, waren wichtige neue Erfahrungen. - Eine mutiger Theoriebeitrag des einen Coleiters zum Thema „Vergessen“ hat seinerseits Schritte zur besseren Alltagsbewältigung erzeugt. Non-verbale Erfahrungen finden grosse Bereitschaft und Freude, sich etwas zuzutrauen und auszuprobieren. Da fallen kulturelle Unterschiede stark ins Gewicht.

Andere haben angefangen, die eigenen guten Erfahrungen in ihrem Leben zu erzählen und aufzuschreiben. Sie spüren, was es bedeutet, sich davon tragen zu lassen, was es bedeutet, ein beschenkter Mensch zu sein und dieses kostbare Gut – Gott ist bei mir am Werk - bei und in sich zu tragen.

Die Arbeit unserer Teilnehmer als Seelsorger im Krankenhaus Ngaliema findet zunehmend guten Anklang. Die Patienten zeigen sich hoch erfreut über die Präsenz der Seelsorger in ihren Pavillons und verlangen nach Begleitung. Gestern morgen waren zwei unserer Seelsorger aufgwühlt und sehr traurig, eine junge Frau war nach einer dritten Totgeburt gestorben. Sie, die die beiden Seelsorger vor drei Wochen – als Abteilungsleiterin – aufgenommen hatte! Die Erschütterung darüber war so gross, dass es heute morgen eine Stunde vor Kursende ganz klar war, unsere ganze Gruppe nimmt am Abschied von dieser jungen Frau teil! Die Trauerfamilie war sehr berührt und überaus dankbar über unsere Teilnahme. So haben wir den Schmerz geteilt und auch den eigenen Schmerz gelebt und ausgedrückt! Ich bin darüber sehr dankbar!

Ein anderer unserer Teilnehmer hat mir diese Woche anvertraut, er bete für unseren Kurs und für die Entfaltung unserer Kursarbeit im Congo und seinen Nachbarländern, damit Seelsorge in den hiesigen Spitälern zur wichtigen Einrichtung werde! Ich habe mich von Herzen über dieses Engagement und diese Hingabe gefreut.

Mein Aufwand für den Kurs war vom Äusseren her grösser als bisher. Ich geriet in unerwartete Morgenstaus und musste mich sehr gedulden, zweimal fielen die bisherigen Fahrzeuge aus und ich war auf die öffentlichen Taxis angewiesen. Das sind PW's, die einen bestimmten Parcours fahren und natürlich bei jeden Halt sich wieder neu füllen. Das war für mich sehr anstrengend. Ich bin mir bewusst, ich bin damit noch immer bevorzugt gegenüber den meisten Menschen hier, die die sog.Taxibusse, alte Lieferwagen mit harten schmalen Bänken (in Kleinbusse umfunktioniert, ein Graus!) benützen müssen.

K.V.

Bitte beachten Sie auch den Block "Strickmamans"!

Samstag, 23. November 2013

Unsere zweite Kurswoche

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auf dem Areal des Guesthouse

Mindestens zwei Höhepunkte erfreuen uns in dieser Woche. So fällt es mir leicht zu berichten! Wir feiern einen festlichen Abend, der jedem von Teilnehmern und Leitern die Gelegenheit gibt, zu berichten. Ich berichte von den Anfängen einer Kultur in der Schweiz mit der Herstellung von Hartkäse und der Rinderzucht. Andere singen Lieder und leiten uns an zu einem Tanz der Elfenbeinküste und Camerun. Die meisten wollen am liebsten nochmals unterstreichen, wie sehr sie froh und dankbar sind für diese Gelegenheit, sich weiterzubilden. Ich kann dabei auch nicht vergessen zu erwähnen, dass dies dank der vielen Spenderinnen und Spender aus der Schweiz möglich geworden ist.

Clément der Militärseelsorger aus der Elfenbeinküste

Bylord, der eine meiner Mitleiter

Blaise, Spitalpfarrer aus Camerun

Georges, Gemeindepfarrer aus Camerun

Nach diesem Festanlass erleben wir zusammen ein Bibliodrama. Ich habe die Geschichte von Maria Magdalena ausgewählt, die Jesus in der Grabhöhle sucht und schliesslich auch findet. Die beiden Themen dieses Textes „den Schmerz leben“ und „an Irrtümern leiden“ laden ein zur Arbeit an uns selber. Es wird sehr eindrücklich und schön, wie alle sich gewinnen lassen und einen Schritt persönlicher Veränderung wagen! Solche Intensität habe ich bei einem Bibliodrama noch selten erlebt! Ich fühle mich sehr beschenkt und bin glücklich! Am Ende der Woche bestätigt mir Marie-Louise, sie lasse sich von jetzt an nicht mehr davon abbringen, die sechs Krankenhäuser ihrer Kirche zu besuchen und dort dafür zu sorgen, dass endlich Spitalseelsorgerinnen und -seelsorger angestellt werden! Dafür muss sie Hunderte Kilometer schlechter Strassenstrecken auf sich nehmen!

Diese Woche berichtet mir einer der jüngeren Männer unserer Gruppe aus seiner Studien-zeit. Welches Leiden kommt mir da entgegen! Er erzählt, wie er sich in seinen fünf Studien-jahren abgequält hat, seinen Hunger zu ertragen. Er hatte kaum je das Geld, sich ein Mittag-essen zu besorgen. Jetzt strahlt er, weil er jeden Tag genügend zu essen hat und er zudem nicht nur mit Wissen aufgeladen wird, sondern auch nach ihm persönlich gefragt ist. -

Gruppenbild

In einem Rollenspiel erfahre ich von einer Studentin, die ihr zweites Examen überra-schenderweise nicht bestanden hat. Zuhause angekommen, zieht sie sich völlig zurück und will ihr Studium nicht mehr weiterführen. Die verzweifelte Mutter ruft den Pfarrer. Dieser findet dann heraus, dass ein Professor die Studentin bewusst durch die Prüfung durchfallen liess, weil er hoffte, sie auf diese Weise zu seiner Frau zu bekommen...

Auf der Ausfallstrasse Kintambo nach Matadi führt seit kurzem ein weisser Bus, eine Buslinie wurde eingerichtet. Sogar Haltestellen sind da...
kv

Sonntag, 17. November 2013

Unser Kurs hat mit acht Teilnehmenden angefangen!

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Ich freue mich über die Feststellung, dass wir unseren sechswöchigen Kurs angefangen haben. Jetzt sind wir bereits am Ende der ersten Woche. Unsere erste Bilanz ist sehr sehr erfreulich. Ich kann erstmals mit zwei einheimischen Co-leitern Grégoire Ntobo und Bylord Ilunga arbeiten! Ich bin über ihr Können, das sich zunehmend entfaltet, in hohem Mass beglückt. Von den acht Teilnehmenden sind 5 Kongolesen, zwei stammen aus Kamerun und ein Teilnehmer aus der Elfenbein-küste. Die weiteren Teilnehmer, die wir aus dem benachbarten Ausland Tschad und Angola erwartet haben, sind leider nicht eingetroffen. Es ist schön zu spüren, dass Kollegen aus dem Ausland mit uns arbeiten. Das ist nun zum ersten Mal der Fall, seit ich in den Congo reise.

Am ersten Kurstag habe ich noch Zeit gefunden, Eintragungen in meinem Tagebuch nachzulesen. Dabei stiess ich auf Notizen, die ich vergessen hatte! Zwei Träume, die ich in den letzten Wochen vor der Abreise geschenkt bekommen habe, tauchten wieder vor mir auf. Im einen der beiden Träume war ich mit Stammesführern verschiedenster Volksgruppen aus dem Congo zusammen und es ging um einen Prozess von Versöhnungsarbeit, der gut vorankam! Im andern Traum ging es um Bienen, die mir ein grosses Geschenk gefertigt aus Wachs, Honig und verschienen Blütenfarben übergaben. Ich war berührt, die beiden Bildern wieder zu entdecken und zu ahnen, dass ich vor Grossem stehe, was mir in dieser Kursarbeit geschenkt werden sollte. Ergriffen und auf liebevolle Weise erinnert sollte ich in diese Arbeit gehen! Da war ja eine rührende Hand in meinen Träumen dabei gewesen. Ich danke Gott dafür!

Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden ist unter vierzig, ich freue mich, dass junge Kollegen aufbrechen wollen, um mit sich unterwegs zu sein und für sich und ihre Begegnungen zu lernen. Von den congolesischen Teilnehmenden ist eine eine Frau, die als spät Berufene ins Pfarramt gekommen ist. Da sich schon vieles herumgesprochen hat, ist die Bereitschaft in Neues aufzubrechen viel klarer vorhanden als in den vorangegangenen Jahren. Mit dem Spital Ngaliema ist die Wahl auf eine beliebte staatliche Klinik der Stadt gefallen. Sie steht nicht weit vom Gästehaus der Baptistenkirche, in der unser Kurs stattfindet. Sie ist sehr sauber geführt und besticht durch ihre gute Ordnung. Wir erleben eine ausgedehnte und detailreiche Einführung. Sie erleichtert unseren Kursteilnehmenden die Einarbeit wesentlich. Darüber bin ich froh.

Die Begegnung mit Kinshasa ist für mich persönlich mehr eine grosse Herausforderung, sie fühle ich , wenn ich eine halbe Stunde starkem Verkehr ausgesetzt bin, leichte Atemnot. Die Luft hier ist von äusserst schlechter Qualität. Die meisten Automotoren verbrennen – als Folge des alternden Motorblockes – Oel, die Dieselfahrzeuge sind ebenso schlecht gewartet und verbreiten gefährlichen Staub. Ich bin glücklich in Alfred Mbuta einen Freund zu haben, der aus hohem Umweltbewusstsein heraus in seiner Kirchgemeinde eine Reihe von Umweltinitiativen entwickelt und umgesetzt hat. Die Kirchgemeinden hier sind wichtige Träger solcher Bewegungen, da die Pfarrer als Multiplikatoren neuer Ideen und Massnahmen mitwirken. Kehricht-, Kehrichttrennungs- und Strassendienste gibt es nur dank einer Reihe von NGO's, die sich für deren Verwirklichungen einsetzen.

Kinshasa, kv

Montag, 4. November 2013

Alltägliches





Alltägliches



In Kinshasa ist der Staub allgegenwärtig. Der Boden hier ist reinster feinster Sand. Zum Anbauen von Pflanzen jeder Art nicht nur gut geeignet, sondern sogar von solcher Qualität, dass Gärten keinerlei Dünger benötigen. Das ist beeindruckend und schön! Für die Füsse gibt er eine ausgezeichnete Massage. Leider sind die Strassen meistens mangelhaft asphaltiert oder aufgerissen, dass das Gehen zum Hindernislauf wird. Für uns Europäer ist es kaum nachvollziehbar, dass jeglicher Abfall auf die Strasse geworfen wird bis zu Rasierklingen, dabei springen die Kinder barfuss herum! Sand bedeutet aber auch ums Haus und im Haus alle paar Stunden mit dem Besen unterwegs zu sein...

Wasser ist kostbar und karg. Am Wasserhahn kommt meistens wenig oder nichts, es muss bei einer nächsten Wasserstelle geholt werden. Das heisst dann haushälterisch damit umgehen, damit es reicht für Füsse, Hände und WC-spülung. Zum Zähneputzen kann es nicht benutzt werden, da müssen dann Flaschen her! Wer in der Schweiz würde sich solches antun wollen...hier ist es Alltag!

Alltag ist hier auch, wenn zahlreiche Gäste kommen und ein munteres Gespräch einsetzt...

Strom ist wie Wasser Mangelware. Warum das so ist, ist eigentlich nicht einzusehen. Zwischen Kinshasa und Matadi am Meer liegen ein paar hundert Höhenmeter. Der Strom, der aus einer erweiterten Zahl Wasserkraftwerke am Congofluss gewonnen werden könnte, reichte aus den ganzen afrikanischen Kontinent mit Strom zu versorgen! Doch investieren will niemand so recht...

Freitag, 1. November 2013

Erste Eindrücke

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Erste Eindrücke

Mit einer Verspätung von zweieinhalb Stunden – Behebung einer Flugzeugpanne - treffen wir erschöpft in Kinshasa ein. Freude und Dank überwiegen die Strapazen des 22 Stunden Tages. Um 2 Uhr morgens – nachdem wir auch noch eine Reifenpanne überstanden haben – kommen wir ins Bett. Die Freude des Wiedersehens mit Alfred und Lily und am Folgetag mit einigen Freunden hier ist gross.

Kinshasa zeigt sich kaum anders als in den vergangenen Jahren, daran ändern die neuen Plakate, die Joseph Kabila als „neuen Rais“ vorstellen, nichts. Der congolesische Alltag, wie wir ihn kennen, pulsiert mit seinen vielen Stimmen, hupenden Autofahrern, Abgasen, Rauchschwaden und spazierenden Hühnern. Der Kampf und die Sorge ums Überleben nehmen die Menschen vorallem innerlich in Anspruch. Das ruhige Sitzen hinter dem Verkaufsstand täuscht.

N. einer unserer Kollegen aus der Spitalseelsorge besucht uns. Unser Gespräch kommt schnell in Gang. Plötzlich muss ich ihn fragen: „Wie geht es Dir denn wirklich?“ Die Bewegung auf seinem Gesicht redet zu mir. Als Spitalseelsorger hat er immer noch keinen Lohn und kann nur mühsam mit Nebenjobs für das Schul- und Studiengeld seiner Kinder aufkommen. Dann ist da seine Sorge „wie wird es denn gehen, wenn ich körperlich nicht mehr in der Lage bin zu sorgen..? Immer wieder schäme ich mich, dass ich meinen Kindern keinen Lohn aus meiner Arbeit mitbringen kann!“ Betroffenheit und Wut steigen in mir auf! Nicht nur N.lebt unter Scham und Druck, sondern Millionen andere seines Volkes!

Als Schweizer wüssten wir ja meistens bald, was und wie man es machen müsste. Doch je länger ich mich mit den Menschen dieses Landes beschäftige, werde ich still und betroffen. Es ist nicht weg zu reden, dass das Zehnfache (!) unserer Entwicklungsgelder in der Gegenrichtung aus dem Süden nach Norden zurückfliesst. Dies durch viele versteckte Kanälen, wie Unterzahlung der Rohstoffe, Schmiergeldzahlungen, Rücklagen in unseren Banken usw. Da steigt in mir – diesmal aus ganz anderen Gründen – die Scham hoch.

Albert Schweitzer wollte etwas vom Unrecht der Kolonisten wieder gut machen. Das ist das Einzige, was wir tun können und wollen. So ermutigen wir uns, dem Schwierigen des hiesigen Alltags mit seinen Strom- und Wasserpannen, einem gefährlichen Verkehr und anderen Überraschungen standzuhalten. Ja, wir freuen uns mit den Menschen hier zusammen zu sein und mit ihnen daran zu glauben, dass aus leeren Händen etwas wächst.

Am Samstag, den 2.November besucht Beatrice die Frauen in ihrem Strickprojekt, unser Kurs beginnt dann Freitag nächster Woche.