Donnerstag, 28. Mai 2015

Kisangani –
Eindrücke der Teilnehmenden

Von Klaus Völlmin aus dem französischen übersetzt
« Die Schwierigkeiten in den Beziehungen haben ihren Grund in den Persönlichkeiten aber auch in den unterschiedlichen Lebensetappen der Einzelnen.»


Wenn ich einen Kurs leite, dann tue ich das mit leidenschaftlicher Liebe und Engagement. Ich komme mir dabei oft vor wie eine Frau, die gebären wird und ein Kindlein in Empfang nehmen darf...

Der Aspekt des Geschenkes ist mir nicht nur im Kennenlernen der Teilnehmenden gegeben, sondern auch in der vitalen Erfahrung, mich nochmals weiter und genauer kennen zu lernen, was meine Schatten- und Sonnenseiten betrifft. Dabei kommt mir immer wieder ein Wort in den Sinn, das ich in meiner Supervision erhalten habe: „ du stellst meine Füsse in einen weiten Raum..“
Alfred Mbuta
Bin ich Logistiker genug?
Diese Frage bewegt mich wie ich die drei Kursleiter, meine Freunde Alfred Mbuta, Dido Makila und Tsongo in Empfang nehme. Ja, ich frage mich, wird die Küchenequipe funktionieren? Und die andern Vorbereitungen spielen? Ja, denn ich vertraue auf Gott, der es mit mir immer wieder gut macht! Damit unsere Aufenthaltsorte befriedigend sind, der Transport klappt. Die Motos und das Auto fahrbar bleiben... Kann ich mit dem Geld genügend haushälterisch umgehen?

Ja, am Ende bin ich berührt, es wurde zu einem wunderbaren Erlebnis, ich konnte sinnvoll – diesmal als Logistiker – zu einem Weiterbildungskurs beitragen.

Mgr ALUTA Samuel
Ich danke Gott und meinen Vorbildern, dass ich diesen Kurs als Co-leiter gut bestehen konnte! Ein langer Weg hat mich erneut verändert! Und dies als Familienvater, Zuhörer, Ehemann und Kollege.. Ich konnte in dieser Arbeit richtig in die verschiedenen Aufgaben des CPT hineinwachsen. Und das macht mich sehr glücklich!

Ein ganz grosses Dankeschön gilt allen Geldgebern in der Schweiz! Sie haben dies ermöglicht. Ich bin beschenkt und fühle, dass ich auf diese Weise auch für andere ein Geschenk bin.

Rev DIDO MAKILA
Es bedeutet mir sehr viel, dass ich – verändert durch die Ausbildung im CPT – entscheidend besser andern Menschen, sei es im Spital, Gefängnis oder Schule, begegnen kann. Es kommt mir vor, wie das, was Jesaia in 50,4 schreibt: „er weckt mir das Ohr..“
TSONGO KASEREKA
Ich wähnte mich sehend, doch lerne ich, ich bin eigentlich blind und brauche die Hilfe meines Gesprächspartners, um sehen und verstehen zu können. Ich konnte lernen mit dem Herzen zu hören und zu verstehen, das war ganz wichtig für mich! Nicht ich habe die Lösung für andere, sie haben sie in sich selber!
MASIKA GERMAINE
Ich bin sehr dankbar für diese Zeit des Lernens! Es ist mir, als hätte ich einen Raum der Liebe in mir schaffen können, in dem meine Mitmenschen jetzt Platz finden! Ich meinte, ich verstünde es zu beten, doch hier habe ich die Stille gefunden, um zu hören und das ist eine Quelle wunderbarer Inspiration! Noch nie hat mich der Reichtum der biblischen Tradition so berührt wie hier! Und, ich habe wirklich gelernt auf andere Menschen zu hören und fühle, dass dieser Weg weitergehen muss.
JRB
Das war jetzt ein intensiver Prozess für mich, Aufmerksamkeit für meine Mitmenschen und mich selbst zu lernen! Ich will als Hörender leben und wirken!
FISTON BENDA
Aus der Theologie hätte ich es schon lange wissen müssen, dass ich eine schwierige und eine helle Seite in mir trage. Doch erst die Erfahrung dieses Kurses hat mir den Weg zu dieser tiefen Erkenntnis richtig aufgetan. Und ich will das nicht mehr auf die Seite tun: ich bin selbst ein verwundeter, nach Heil bedürftiger Mensch. In Kontakt mit dieser „dunklen“ Seite meiner Selbst bin ich für andere eine Hilfe und Kraft. Diese tiefe Veränderung wird mich jetzt überall begleiten: in meinem Benehmen, mit den Menschen an meinem Ort.
ELIE PENE SIMBA
Bis heute habe ich in meinem Leben den Kontakt zu mir selber wie ausgeschaltet gehabt...und nun realisiere ich, das gerade dieser Kontakt entscheidend ist für einen sorgfältigen Umgang mit andern Menschen!
DAVID BOTENDE
Bereits zum zweiten Mal habe ich Gelegenheit an einem CPT-Kurs teilzunehmen! Es ist eine Gefühl von grösstem Glück und Freude in gutem Kontakt mit mir selber zu sein! Wie fühlte ich mich früher geniert und ängstlich und hielt möglichst die Ohren verschlossen! Beim Betrachten des Wasserfalls von Wagenya habe ich angefangen, die Sprache Gottes in allen Dingen zu sehen und zu hören, das hat mich reich gemacht und damit will ich weiterfahren!
MIRA KUMUMBEYA EZEKIAS
Mein Leben hat manche Windungen gezeitigt. Von meinen Eltern wurde ich verstossen, landete als Freiwilliger in der Armee. Schliesslich habe ich meinen Weg gefunden. Die Weiterbildung im CPT hat mir vorallem meine eigene innere Armut deutlich gemacht und gleichzeitig konnte ich entdecken, dass gerade meine Armut mich im Zusammensein mit andern Menschen und mit mir selbst ausserordentlich reich macht! Ich staune und könnte mir vorstellen, diesen Ausbildungsweg weiterzugehen und eines Tages Kursleiter zu werden... Ich bin allen, die zu dieser ausserordentlichen Möglichkeit beigetragen haben herzlich dankbar und hoffe, dass noch viele andere in unserem Land in diesen Genuss kommen.
Apotre Deo Kasongo
Wir waren nicht Teilnehmerinnen an diesem Kurs, wir haben nur das Sekretariat geleitet und die Küche betreut, doch sind wir sehr beschenkt durch die Erkenntnis, dass jeder Mensch heilsame Wege gehen kann uns gehen soll. Auch wir wollen und werden das tun!
CLARISSE TSHIALA, EUGENIE, SYLLO, MARTHE ET MARIANNE
Die Personen, welche die Träger des Projektes zu treffen wünschen, sind eingeladen, Kontakt aufzunehmen.

Montag, 27. April 2015

Der zehnte cpt-Kurs im Congo!



Am 10.April 2015 hat in Kisangani der zehnte cpt-Kurs angefangen! Wir sind glücklich, allen unseren Freunden diese Mitteilung machen zu können. Die Hauptverantwortung liegt in den Händen von Alfred Mbuta, der mit den beiden Co-leitern Dido Makila aus Kinshasa und Tsongo Kasereka am Werk ist.

Empfang von Dido Makila am Flughafen

Samuel Aluta, wohnhaft in Kisangani – selber auch auf dem Weg zum Kursleiter – ist verantwortlich für die äusseren Gegebenheiten des Kurses. Die Kontakten mit den örtlichen Verantwortlichen von Kirche und Staat, sowie mit den Spitälern haben bereits auf befriedigende Weise stattfinden können.

Blick auf das Bildungszentrum

Als Tagungsort dient der Kursgrupe des Zentrum der Priester von Combonien etwas ausserhalb der Stadt, die Seelsorgearbeit können die Kursteilnehmer in drei Spitälern wahrnehmen: im örtlichen katholischen Kinderspital, im katholischen Centre de Simama, einer Klinik für Menschen mit Behinderungen (wo auch körperbehinderte Menschen arbeiten!) und der dritte Ort ist das grosse, protestantische Spital CELPA. Überall hat Samuel Aluta gute Vorarbeit geleistet, die Türen stehen der Ausbildung erfreulicherweise weit offen!

Die Gruppe der Praktikanten und ihrer Trainer. Erster Besuch in den Krankenhäusern

Die Zahl der Teilnehmenden liegt bei sieben Personen, alle aus der Region von Kisangani, Einschreibungen lagen 18 vor, doch eine Reihe von ihnen konnten sich kurzfristig nicht freimachen oder erhielten keine Erlaubnis zu Teilnahme. Für die Betreffenden ist es bedauerlich.

Zwei persönliche Meinungen:

"Das CPT ist zuerst eine wichtige Sache für mich selber, bevor ich mit andern zu tun habe! Und das Tolle dabei ist: ich bin zuerst selber beschenkt!"

"Wir haben unser lebhaftes Interesse am Lernen entdeckt. Diese Verwandlung ist beglückend schön und weckt in uns eine übergrosse Freude."




Offizielle Eröffnung CPT Kisangani 15


Aus der eigenen Lebensgeschichte lernen


Ein Spaziergang nach Wagenia dem Fluss entlang
Die Personen, welche die Träger des Projektes zu treffen wünschen, sind eingeladen, Kontakt aufzunehmen.

Freitag, 30. Januar 2015

Jahresrückblick 2014



Liebe Freunde,

Sie halten hier unseren umfangreichen Jahresrückblick auf das Jahr 2014 vor sich. Er enthält auf französisch sämtliche wichtige Informationen über alle Details unserer Arbeit, der Kurse, der Teilnehmenden, unserer Finanzen, das Lebensgefühl der Menschen im Congo, der Weiterentwicklung des Projektes und das Umfeld von Gesundheits- und Spitalbehörden. Wir verzichten darauf, das Kleingedruckte auf Deutsch zu übersetzen und beschränken uns auf die zentralen Texte und Aussagen.

Die drei Hauptpersonen des Projektes sind nach wie vor Pfarrer Alfred Mbuta, der Verantwortliche für Pfarrerweiterbildung der congolesischen Kirche (ECC) und die beiden Schweizer Kursleiter Jean-Claude Schwab und Klaus Völlmin. Unser Vereinsvorstand zählt mittlerweile fünf Personen, deren Namen sie aus dem Abschnitt: le personnel de notre Association entnehmen. Unser Geberkreis setzt sich nach wie vor aus Kantonalen Kirchen, Stiftungen, evang. und kath. Kirchgemeinden und Privatpersonen zusammen.

Die Finanzen sind sehr detailliert aufgeführt und geben sorgfältig Auskunft in verschiedener Sichtweise.

Im Jahre 2014 konnten wir zum ersten Mal drei Sechswochenkurse und ein Methodiktraining durchführen. Der erste Kurs fand im Februar-März in Kinshasa unter der Leitung von Klaus Völlmin mit den Co-leitern Dido Makila und Benoit Ngoy (gefolgt vom Methodiktraining) statt. Der zweite folgte im August-September in Mbuji-Mayi unter der Leitung von Alfred Mbuta und den Co-leitern Cyrille Ikomba und Joel Kuvuna. Der dritte konnte im Oktober-Dezember in Goma mit Jean-Claude Schwab und den Co-leitern Grégoire Ntobo und Samuel Aluta durchgeführt werden. Wir sind glücklich, dass mit Mbuji-Mayi erstmalig ein Kurs im südlichen Landeszentrum stattfinden konnte!

2014 – ein fruchtbares Jahr

Von den mehr als hundert Pfarrerinnen und Pfarrer, die bisher eine CPT-Ausbildung erleben konnten, arbeiten die meisten im Rahmen von Spitälern, nur wenige in Kirchgemeinden oder andern Institutionen. Wir sind glücklich zu spüren, dass die congolesische Oeffentlichkeit zunehmend mit den guten Erfahrungen der Kursteilnehmer vertraut wird. Besonders die Schlussfeierlichkeiten eines Kurses erlauben es, eine grössere Anzahl von Verantwortlichen aus dem regionalen Gesundheitswesen, Krankenhäuser und Vereinigungen aus Pflegeberufen auf die Chancen nicht nur dieser Ausbildung, sondern auch zunehmend auf die Chancen eines vernetzten Denkens und Handelns aufmerksam zu machen. Das lässt uns auch auf eine allmählich anfangende finanzielle Unterstützung von congolesischer Seite hoffen.

Im Moment gilt unsere grosse Aufmerksamkeit dem Abschluss der Ausbildung von 4-6 einheimischen Supervisoren-Kursleiter im Spätherbst 2016. Sie sind die künftigen Träger dieser Arbeit. - Weitere Schritte sind im Gang, wenn wir an die Gruppe von Spitalpfarrern in Kisangani denken, die sich regelmässig zu gemeinsamer Arbeit treffen. Oder, die Entscheide einzelner Kursteilnehmer in ihrer Kirche und ihrer Landesregion Reisen zu Spitälern zu machen, die bisher ausserhalb des Gesichtsfeldes lagen. Schon seit 2010 haben wir regelmässige Informationsbesuche in verschiedenen Universitäten gemacht, um auf unsere Ausbildung aufmerksam zu machen. Besonders freut uns, dass der im Osten des Landes tätige Organismus Heal Africa seine Bereitschaft erklärt hat, ab 2016 jährlich einen Kurs in Goma finanziell zu tragen!

Die Situation in den Spitälern ist nach wie vor prekär. Politische Sparentscheide führen aus-gerechnet dazu, dass verarmte Kranke noch weniger Chancen haben medizinische Hilfe zu erhalten. Die zunehmenden chronischen Krankheiten in der Hauptstadt verlangen vermehrt eine spirituelle Begleitung. Während dem im Osten des Landes die Arbeit mit traumatisierten Menschen noch viel Anstrengungen verlangt.

Das CPT bietet viele Möglichkeiten! Alle, die in irgendeiner Weise andere Menschen begleiten, finden in diesem Modell tragfähige Strukturen eines initialen Lernens und der ständigen Begleitung, um den grossen Schwierigkeiten persönlich stand zu halten.

Freiwillige Beiträge sind einerseits durch Sie, liebe Spenderinnen und Spender gewährleistet. Innerhalb des Projektes selber ist Freiwilligkeit auch ein Thema: der Einsatz von Alfred Mbuta neben seiner Anstellung, von den beiden Schweizer Supervisoren, Beziehungs- und Administrations-arbeit im Congo selber, Koordinationsbemühungen und Kontakte zu den Spenderkreisen in der Schweiz. Wir kommen beim Zusammenzug dieser Bemühungen auf ein Total von 2520 h oder ca.125'000.- Sfr.



Die Kursteilnehmer selber bezahlen je 100.-$ für einen Kurs und sind zudem selber verantwortlich für ihre Reisekosten. Das ergibt ein Total von rund 23'800.- $.

Die Effizienz des Projektes wird regelmässig kontrolliert durch Abschlussberichte und Abschlussgespräche der Teilnehmenden. Diese Arbeit erlaubt es allen, die gesamte Welt der Begegnung mit andern zielgerecht neu und anders zu konzipieren. Das schliesst denn auch eine weitere Begleitung an Ort und Stelle mit ein.

Für Supervision steht uns in Kinshasa Prof. André Masiala zur Verfügung, in Kisangani ist es der Dekan der Theologischen Fakultät und in Bunia (Ostcongo) ein Chefarzt.

Eine Methodiktraining für angehende Kursleiter soll etwa alle 2 bis 3 Jahre stattfinden.

Für uns ganz wichtig und schön ist die Feststellung, wie sehr sich das Leben unserer Kursteilnehmer verändert hat. Sie haben nicht nur technische Dinge gelernt, sondern waren bereit, in sich selber Veränderungen zuzulassen. Das wohl kostbarste ist die Entdeckung der je eigenen Ressourcen!

Grosshöchstetten, den 17.Januar 2015

Verein Projekt-CPT-Congo
Präsident: Sekretär: Administrator:
Jean-Claude Schwab Klaus Völlmin Marc Jeannerat

Einige Daten aus der Buchführung

Die Personen, welche die Träger des Projektes zu treffen wünschen, sind eingeladen, Kontakt aufzunehmen.

Samstag, 27. Dezember 2014

Goma
Ein Schluss und mit welchen Ausrufzeichen!



Am Ende des fünfwöchigen cpt-Kurses blieb für mich eine enorme Herausforderung. Ich hatte vor einem Jahr an der theologischen Fakultät das Versprechen gegeben, im Rahmen der praktischen Theologie eine „Vorlesung“ von 30 Stunden zu halten. Glücklicherweise werde ich dabei von den beiden Co-leitern des Kurses Grégoire Ntobo und Samuel Aluta tatkräftig unterstützt.
ein aufmerksames und aktives Auditorium
Ist es möglich Inhalte und Ziele unserer Ausbildung, die ganz stark mit persönlichen Erfahrungen verbunden ist, umzuwandeln in einen Kurs von 30 Stunden? Die Herausforderung ist gross, doch ich möchte sie packen und wage den Versuch. Ich bin mir bewusst, ich kann bloss für Begegnungen sensibilisieren, nicht üben! So starten wir mit einem Rollenspiel, das aus einer im Spital erlebten Situation heraus entstanden ist.
Arbeitsgruppen, in Sälen, Gängen……oder unter einem Pavillon

Die engagierte Aufmerksamkeit und Mitarbeit der 25 Studenten überraschen uns. Als würde auch ein Funke von ihnen zu uns überspringen sind auch wir Leitende zunehmend von Begeisterung erfüllt! Sie möchten, dass dieser Kurs in den nächsten Jahren mit doppelter Stundenzahl durchgeführt wird...! Ihr abschliessenden Rückmeldungen zeugen lebhaft davon, wieviel sie für ihre pastorale Arbeit gewonnen haben!
Le superviseur Grégoire en action



Es lässt sich nicht ausschliessen, dass die Fakultäten in Zukunft von den Supervisoren eine derartige Woche für die Studienabschlüsse wünschen!.

Ein Tag der Fortbildung

Am letzten Tag vor meiner Rückreise in die Schweiz treffen sich fünf Teilnehmer des letzjährigen Kurses mit fünf Teilnehmenden des diesjährigen Kurses unter einem Pavillon, der am See liegt. Wir sind geschützt vor einer sengenden Sonne und geniessen erst noch den leichten Südwind.


Es wächst eine schöne Begegnung und die gemeinsame Arbeit tut uns gut. Die Teilnehmenden ergreifen die Gelegenheit, ihre aktuelle Lebensgeschichte in neuem Licht zu erzählen und in einem mitgebrachten Symbol sinnenhaft darzustellen. Nach einem mageren Pic-nic erleben wir eine modellhafte Intervision zu einer Situation, die eine der Teilnehmenden mitgebracht hat.

Wir beschliessen den Tag mit dem Entscheid für die Gründung einer sich regelmässig treffenden Intervisionsgruppe. Wir besprechen Strukturen, Organisationsformen und Verantwortlichkeiten. Dies letzte auch besonders im Hinblick auf die Gründung und Leitung ähnlicher Gruppen innerhalb von Kirchgemeinden oder einem Verband von Gemeinden, respektive innerhalb eines Spitals).

Das alles verspricht viel! Ich freue mich!

Jean-Claude Schwab


Samstag, 13. Dezember 2014

Goma 2014
Eine Region im Zustand des Stresses nach traumatischen Erfahrungen, gewichtige Begegnungen im Spitalbluse



Am Tag nach meiner Ankunft in Goma Ende Oktober höre ich schlechte Nachrichten aus der Region Béni (300 km nördlich von Goma): unbekannte Rebellen sind aus den Wäldern aufgetaucht, sind in die Häuser eingedrungen, um alles Lebende zu töten! Kaum aufgetaucht verschwinden sie wieder in den Weiten der umliegenden Wälder. Man spricht von etwa 80 Toten. Die Menschen werden unruhig, auch hier in Goma!

Dennoch muss man hier weiterleben! Man verdrängt die Unruhe für eine Zeit. Richtig aber ist es zu sagen, dass die ganze hiesige Region unter post-traumatischem Stress leidet! Schlimm genug, dass dieser Zustand nun schon seit 20 Jahren dauert! Dennoch lassen es sich die Menschen hier nicht nehmen, sich an der wunderbaren Natur zu freuen, unsere Kursteilnehmer tun es ebenso. Und das ist dann für uns auch wie ein göttlicher Hauch, der uns umgibt und unser Zusammensein kostbar macht!





Mittlerweile wird aber der fern geglaubte Horror greifbare Gegenwart: unsere Kursteilnehmer begegnen im Spital den Ueberlebenden des Terrors. Traumatisierte wirken oft als wären sie halb schlafend.

Unsere Teilnehmenden erleben eine starke Spannung und sind innerlich hin- und hergerissen. Sie sind schockiert über dem, was sie hören wollen und hören müssen. Sie hören Unerträgliches-unglaubliches. Dann aber wird auch deutlich, dass sie ja selber diese Nähe zum Horror auch aus ihren Erfahrungen, in sich kennen! Auch ihre zugedeckten Schrecknisse müssen an die Oberfläche!

In unserer cpt-Ausbildung wollen wir immer neu aufdecken, wo billiger Trost gespendet wird. So gehen wir den langen Weg, die eigenen Zerbrechlichkeiten zu entdecken! Dabei wird auch deutlich, dass es nicht um eine Methode geht, sondern, dass dies ein Anfang ist zur eigenen Genesung. Dieser Weg ist kostbar, denn er führt an die eigenen Heilkräfte heran! Und ganz nahe ist dann auch das Heilungsweg der begleiteten Patienten!



beim Lernen mit Hilfe des Rollenspiels

Dann hören wir wieder von mörderischen Razzien in der Stadt Béni. Die congolesischen wie die UNO Truppen scheinen durch neue Strategien überfordert. - Auch für uns im Kurs ist es ähnlich, wir müssen lernen, dass der Weg zum Begleiten der Leidenden lang und weit ist. Wir beginnen zu ahnen, dass wir auch noch anderes brauchen: den Mut, auf das Böse aufmerksam zu machen und das Vertrauen zu stärken!




die Arbeit ist hart und dauert lange

Jean-claude Schwab

Goma 2014
Eine Region im Zustand des Stresses nach traumatischen Erfahrungen, gewichtige Begegnungen im Spitalbluse



Am Tag nach meiner Ankunft in Goma Ende Oktober höre ich schlechte Nachrichten aus der Region Béni (300 km nördlich von Goma): unbekannte Rebellen sind aus den Wäldern aufgetaucht, sind in die Häuser eingedrungen, um alles Lebende zu töten! Kaum aufgetaucht verschwinden sie wieder in den Weiten der umliegenden Wälder. Man spricht von etwa 80 Toten. Die Menschen werden unruhig, auch hier in Goma!

Dennoch muss man hier weiterleben! Man verdrängt die Unruhe für eine Zeit. Richtig aber ist es zu sagen, dass die ganze hiesige Region unter post-traumatischem Stress leidet! Schlimm genug, dass dieser Zustand nun schon seit 20 Jahren dauert! Dennoch lassen es sich die Menschen hier nicht nehmen, sich an der wunderbaren Natur zu freuen, unsere Kursteilnehmer tun es ebenso. Und das ist dann für uns auch wie ein göttlicher Hauch, der uns umgibt und unser Zusammensein kostbar macht!





Mittlerweile wird aber der fern geglaubte Horror greifbare Gegenwart: unsere Kursteilnehmer begegnen im Spital den Ueberlebenden des Terrors. Traumatisierte wirken oft als wären sie halb schlafend.

Unsere Teilnehmenden erleben eine starke Spannung und sind innerlich hin- und hergerissen. Sie sind schockiert über dem, was sie hören wollen und hören müssen. Sie hören Unerträgliches-unglaubliches. Dann aber wird auch deutlich, dass sie ja selber diese Nähe zum Horror auch aus ihren Erfahrungen, in sich kennen! Auch ihre zugedeckten Schrecknisse müssen an die Oberfläche!

In unserer cpt-Ausbildung wollen wir immer neu aufdecken, wo billiger Trost gespendet wird. So gehen wir den langen Weg, die eigenen Zerbrechlichkeiten zu entdecken! Dabei wird auch deutlich, dass es nicht um eine Methode geht, sondern, dass dies ein Anfang ist zur eigenen Genesung. Dieser Weg ist kostbar, denn er führt an die eigenen Heilkräfte heran! Und ganz nahe ist dann auch das Heilungsweg der begleiteten Patienten!



beim Lernen mit Hilfe des Rollenspiels

Dann hören wir wieder von mörderischen Razzien in der Stadt Béni. Die congolesischen wie die UNO Truppen scheinen durch neue Strategien überfordert. - Auch für uns im Kurs ist es ähnlich, wir müssen lernen, dass der Weg zum Begleiten der Leidenden lang und weit ist. Wir beginnen zu ahnen, dass wir auch noch anderes brauchen: den Mut, auf das Böse aufmerksam zu machen und das Vertrauen zu stärken!




die Arbeit ist hart und dauert lange

Jean-claude Schwab

Goma 2014
die CPT-Ausbildung – welch beglückendes Erlebnis



Die Teilnehmenden unseres Kurses stammen zum grossen Teil aus der Stadt Goma, nur wenige stammen aus der gepeinigten Region Béni (dort haben leider in den letzten Wochen wieder eine Reihe von Massakren stattgefunden!). Einige stammen auch von der Insel Idjjwi. Die Mehrzahl sind Pfarrerinnen und Pfarrer, die in Spitälern und Gemeinden tätig sind. Eine kleine Minderheit sind Laien und ein Psychologe, der sehr engagiert ist in der Begleitung von Pfarrern. Unser Kurs verläuft sehr ähnlich wie vorhergehende, doch der Rahmen ist von grosser idyllischer Schönheit im Kloster Buhimba und spornt uns an, unsere Suchwege intensiv wahrzunehmen.

Die Abschlussfeier

Um möglichst vielen Verantwortlichen in Spitälern und Kirchenleitungen die Bedeutung der cpt-Arbeit sicht- und hörbar zu machen, ist es von Bedeutung, an die Oeffentlichkeit zu treten. Am Samstag den 6.Dezember kommen eine grosse Zahl von Pfarrern und Persönlichkeiten aus dem zivilen Leben zusammen. Wir schätzen die Zahl auf 200 bis 300 Personen, unter ihnen auch der Minister für Gesundheitsfragen der Provinz. Es ist ein guter Moment, dass unsere Teilnehmenden vor diesem Publikum über das Erlebte berichten können:
  1. Ich habe entdeckt, wie wichtig das Zuhören und die Aufmerksamkeit für den Gesprächpartner ist. Bei den Begegnungen im Spital habe ich realisiert, dass es nicht sein darf, dass wir nur ein Gebet sprechen, sondern es ist zentral, dass wir unserem Gegenüber die Gelegenheit geben, sich auszudrücken über sein Befinden. Müssen wir Wunder wirken? Nein, entscheidend ist ein Hören mit dem Herzen, das einem leidenden Menschen Mut macht, sich zu öffnen und auf diese Weise Schritte zur Heilung hin zu gehen. Der Ausdruck seiner Gefühle steht im Mittelpunkt.
  2. Ich bin Pfarrer seit vielen Jahren und seit 13 Jahren im Spital tätig. Ich realisierte, dass ich als Prediger alle Aufmerksamkeit auf mich lenkte. Ich versicherte meinen ZuhörerInnen, dass Gott zu ihnen redet und glaubte auch, das müsste für sie umwerfend sein! Doch heute sehe ich, dass ich wie ein Diktator gesprochen habe! Ich bitte heute um Verzeihung, dass ich mich so anmassend gebärdet habe. Mir fehlte das Hören auf den andern Menschen. Weiterzufahren wie bisher wäre ein Greuel! Heute kann ich etwas spüren von dieser inneren Aufmerksamkeit für mein Gegenüber. Auf dieses „von-Herz-zu-Herz“ will ich achten.
  3. Ich habe die beglückende Erfahrung gemacht, dass ich von andern gehört wurde. Ich bin ernst- und angenommen worden mit meiner Geschichte und all meinen Gefühlen. In der Präsenz der Kursleiter bin ich gehört worden, eine einzigartig beglückende Erfahrung. In ihrem Zuhören habe ich die Gegenwart Gottes erlebt und so ist es mir möglich geworden, eine Fülle von negativen, erniedrigenden und belastenden Gefühlen aus mir heraus zu geben und grosse Erleichterung zu finden. Ich fühle mich im Tiefsten verändert und die Früchte dieser Erfahrung werden schon in den nächsten Tagen meinen Patienten zukommen.


Der Gesundheitsminister zeigt sich sehr beeindruckt von der Bedeutung unserer Arbeit. Wird das vielleicht zu einem Auftakt für eine öffentliche Anerkennung - und finanzielle? Unterstützung - unserer Arbeit?

Jean-Claude Schwab


Fotogalerie
Ein idyllischer Ort
die angehenden Supervisoren
aus dem eigenen Leben… …in der Form eines Panoramas berichten
ein (thematisch) freies Gespräch aufarbeiten
die Welt des Spitals entdecken……und in eine Spitalbluse eintauchen …
… sogar einmal auf dem Operationstisch landen!
zurück zur Übung in Kommunikation… …auch im Hören auf das Wort in der Predigt
häufig fahrende Flugzeuge der UNO… …ausharren neben einem majestätischen (auch bedrohlichem) Vulkan…
…nie ohne Pausen voller Lachen…… am See ist es beruhigend…
…auf dem Rasen geht es sportlich zu !
wir sind froh über eine tüchtige Küchenfrauenschaft……und ein Stromaggregat
eine letzte Übung im Gespräch …und dann der Schlussrapport
unsere Absolventen werden durch die Gegenwart des Gesundheitsministers geehrt…
…und jetzt ist es so weit für eine neues Engagement
die Hoffnung trägt uns weiter!